Welche Wahl hat die SPD? – Ein KandidatInnentest

Mit der Entwicklungsspirale existiert ein Instrument, das politische Entwicklungen und Prozesse von den Wurzeln her erklären kann und für die Konzeption gezielter Veränderungen eingesetzt werden kann, ohne stigmatisierte Milieus auszugrenzen. Die oft durch Milieus gekennzeichneten und typisierten Menschen werden in der Methode der Spiral Dynamics als Individuen angenommen und sowohl als solche wie auch als Mitglieder gesellschaftlicher Gruppen gewürdigt. Die Anwendung der Methode beinhaltet die Chance zur Aktivierung und erfolgreichen Umsetzung der erarbeiteten Lösungen. Ein wesentlicher Erkenntnisgewinn ergibt sich dabei aus der Erfahrung, dass unterschiedliche Menschen und unterschiedliche Lebensbedingungen spezifische Wertewelten ergeben, die in einem spiralförmigen Muster sinnvoll zusammenwirken können. Eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Prozesses ist die Herstellung positiver Beziehungen zwischen allen Beteiligten. Hierzu haben sich nach den publizierten Erfahrungen mit der Methode drei universelle Prinzipien bewährt: Höflichkeit, Offenheit und Autokratie (H-O-A). Diese Prinzipien werden ergänzt durch das Kriterium „Anerkennung“.

Erst wenn die hier analysierten Verhältnisse geklärt sind und hinsichtlich ihres Veränderungspotentials bewertet sind, kann mit Erfolg an einer Verbesserung der Wertestruktur gearbeitet werden.

Bevor die im Vordergrund des Interesses stehenden Ergebnisse präsentiert werden können, ist die Darstellung der Rahmenbedingungen erforderlich. Sie bestimmen das Ob und Wie von Veränderungsprozessen und bilden in sehr allgemeiner Weise wesentliche Kriterien der gesellschaftlichen Realität ab. Diese Kriterien werden als Relationen zu einer Gesamtmenge dargestellt und sind so vergleichbar. Nachfolgend werden die Kriterien kurz einzeln beschrieben:

1. Höflichkeit

Die mit gutem Benehmen verbundene Bedeutung von Höflichkeit ist dem neoliberalen Zeitgeist weitgehend zum Opfer gefallen und wird eher als antiquiert diskreditiert. Nur so ist es erklärbar, dass pöbelnde Politiker wie Donald Trump, Boris Johnson oder AfD-Politiker wie Alexander Gauland und Stephan Brandner Wahlsiege und politische Akzeptanz verbuchen können. Es ist die Grundhaltung der Ellenbogengesellschaft, die auch mehr und mehr in das Arbeitsleben eingedrungen ist. Der Mangel an Höflichkeit ist durch arrogantes Auftreten, respektlosen Umgang und rohen Redestil erkennbar und durch den häufigen Gebrauch entsprechender Begriffe in schriftlichen Quellen quantitativ zu erfassen. In dem hier gewählten Verfahren werden jedoch nicht die Einzelzeichen für Unhöflichkeit – wie im Beitrag „Bedingungen für politischen Umbruch“ – erfasst, sondern es wird der wertende Begriff „höflich“ als direktes Zeichen verwendet. Hierdurch wird der Zweck – die Unterscheidung der KandidatInnen – hinreichend genau erreicht. Als Grundgesammtheit wird für die Auswertung auf die Summe der in ihrer Wertewelt beschriebenen Menschen weiter unten in diesem Beitrag Bezug genommen.

Durch höflichen Umgang miteinander entstehen dynamische Kräfte, die aus einem aufrichtigen Interesse am Gegenüber sowie durch Anerkennung der gesellschaftlichen Normen und der Person in privater und beruflicher Hinsicht erwächst. Höflichkeit ist eine Reaktion auf die Bedürfnisse anderer Menschen zu deren Bedingungen, nicht zu den eigenen. Sie stellt damit auch einen Schutz vor struktureller Gewalt dar, wobei der Rahmen der Kommunikation frei von Beschränkungen in der Zeit und im räumlichen Umfeld sein sollte.

2. Offenheit

Offenheit erfordert Vertrauen, so dass ein Klima für geradlinigen und offenherzigen Gedankenaustausch entsteht. Hierdurch werden authentisches, ehrliches und transparentes Verhalten der Beteiligten möglich. Man sagt, was man denkt. Vertraulichkeit und Geheimhaltung sind nur in begründeten Einzelfällen angezeigt. Soweit zielführend im Sinne der unmittelbar Beteiligten sollte in Konfliktsituationen eine breite Basis für die Analyse und Lösung im Konsens geschaffen werden. Diese Bedingungen können für das Internet in besonderem Maße als erfüllt unterstellt werden, soweit es die Befragungstechnik betrifft.

3. Autokratie

Das Wort „Autokratie“ bedeutet laut Duden „Alleinherrschaft“ und ist im allgemeinen Sprachgebrauch negativ besetzt und erinnert eher an Filme wie „Warum eigentlich…bringen wir den Chef nicht um?“ oder den Kapitän der Bounty, William Bligh. In dem hier gemeinten Sinn steht es jedoch lediglich für die Bereitschaft, die Führung und die Verantwortung in Veränderungsprozessen zu übernehmen und bereit zu sein, ein persönliches Risiko einzugehen. Es ist also in einem ursprünglichen Sinn gemeint, der – im Gegensatz zu der heute überwiegenden Ausklammerung von Verantwortung – ein soziales Engagement einschließt. Wenn eine Organisation unter der Kontrolle der Entwicklungsspirale geführt wird, wird es in den bürokratisierten Körperschaften und Großunternehmen den oft zu hörenden Satz „Dafür bin ich nicht zuständig“ nur noch in Ausnahmefällen geben. „Wenn die Anforderung, die von Autorität und Kontrolle ausgeht, von Höflichkeit und Offenheit begleitet wird, sendet sie mehr positive als negative Botschaften, und Angst ist dann keine Frage mehr. Etwas feste Autokratie vermittelt tatsächlich ein gutes Gefühl, denn mit ihr gibt es eine Grundlinie, es wird etwas getan, und es besteht eine klare Ausrichtung.“ (Zitat „Spiral Dynamics“)

4. Anerkennung

Beim Begriff Anerkennung handelt es sich um einen weitreichenden Ausdruck der Sozialwissenschaften und der Psychologie. Mit ihm werden kommunikative Beziehungen zwischen Personen, Gruppen und Institutionen angesprochen, welche die jeweils bestehenden Eigenschaften der miteinander kommunizierenden Personen bzw. Gruppen als gegeben akzeptieren und ihnen Rechnung tragen. Die Anerkennung beruht hierbei auf Gegenseitigkeit und beinhaltet neben dem Austausch von Informationen auch die Teilnahme an Entscheidungsprozessen und Handlungen, die sich innerhalb der kommunikativen Beziehungen ergeben.

Darüber hinaus wird der Begriff Anerkennung auch als Synonym für Akzeptanz, Lob oder Respekt verwendet.

Gegenseitige Anerkennung gilt als notwendig für jede Art von Zusammenleben, beispielsweise in der Ehe, in der Familie, in einer Schulklasse oder im Beruf. Wird ein Gruppenmitglied nicht anerkannt, gerät es in Gefahr, zum Außenseiter zu werden.

Jeder Mensch braucht Anerkennung, die er im Regelfall zunächst in der Familie oder in familienähnlicher Gemeinschaft erfährt. Sie ist eng verknüpft mit der Entwicklung eines guten Selbstwertgefühls und dem daraus entstehenden Selbstvertrauen, dem Gefühl, etwas bewirken oder verändern zu können und das eigene Leben gestalten zu können. In der Beziehung zwischen Säugling / Kleinkind und Beziehungspersonen bildet sich neben dem Empfinden der eigenen Person auch die Identität im Verhältnis zur Umwelt – und damit die Fähigkeit zur Interaktion mit fremden Personen – heraus.

Grundbedingungen

Grundbedingungen für Entwicklung

Grasgrün = höflich; Purpur = Offenheit; Hellblau = autokratisch; Dunkelgrün = Anerkennung

In der nebenstehenden Grafik sind die vier oben beschrieben Bedingungen im Vergleich der zur Wahl stehenden Doppelspitzen dargestellt. Im Bezug auf Norbert Walter-Borjans – den ehemaligen Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen – ist insgesamt eine stärkere Ausprägung der Grundbedingungen zu sehen, die sich in drei der vier Kriterien bemerkbar macht, indem sie gegenüber seinem männlichen Gegenüber – dem amtierenden Bundesfinanzminister Olaf Scholz – stärker hervortreten. Besonders ausgeprägt ist der Unterschied gegenüber Scholz hinsichtlich Höflichkeit und Offenheit. Ursache bezüglich Offenheit ist wahrscheinlich das durch langjährige Funktionen in politischen Spitzenämtern gefestigte Profil, das einen Kurswechsel der SPD – auch über die Frage von Grokoende ja oder nein – stark einschränken wird. Die Konfrontation mit überholten Positionen wird es den politischen Gegnern sehr leicht machen, den Kandidaten unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Bei dem Kriterium „Autokratie“ ist m Profil von Borjans eine leichte Schwäche gegenüber Scholz zu sehen. In einer Partei, die in den vergangenen Jahren eher durch Personalverschleiß als durch inhaltliche Debatten aufgefallen ist kann es durchaus hilfreich sein, politische Vorstellungen von der Basis her an die Oberfläche treten zu lassen und Autokratie vorwiegend auf Probleme der innerparteilichen Kommunikation zu richten.

Auch der Vergleich der weiblichen Spitzenpositionen zeigt ein starkes Gewicht des weiblichen Anteils im Führungsduo Borjans / Esken. Dieses schlägt sich vor allem im Kriterium „Offenheit“ nieder. Darüber hinaus sind auch deutliche Betonungen der Kriterien „Höflichkeit“ und „Autokratie“ vorhanden.

Für alle Profile ist festzustellen, dass die „Anerkennung“ den größten Anteil am Gesamtprofil ausmacht.

Wertewelten

Der Gesamteindruck der Wertewelten vermittelt eine geringere Bedeutung von Orange in der Wertewelt von Borjans / Esken bei insgesamt überdimensioniertem Einfluss dieses auf persönlichen Erfolg ausgerichteten Wertesystems. Deshalb ist die geringere Betonung von Orange im Team Borjans / Esken zu Gunsten von Grün und Blau positiv zu werten. Darüber hinaus gibt es einige strukturelle Unterschiede im Verhältnis der konkurrierenden Wertesysteme Blau und Grün. Während im Profil von Scholz ein leichtes Übergewicht von Grün zu sehen ist, tritt bei Borjans Blau deutlich gegenüber Grün hervor. Auch im Vergleich der weiblichen Spitzenbewerberinnen sind in diesem Verhältnis Umkehrungen zu sehen. Bei Klara Geywitz dominiert Blau geringfügig gegenüber Grün, bei Saskia Esken dagegen tritt Grün gegenüber Blau sehr dominant hervor. Auffällig ist die hervorgehobene Rolle, die Rot im Profil von Frau Esken im Vergleich zu den drei anderen Bewerbern spielt. Hier ist ein Potential zu vermuten, das auch gegen Widerstände zu kämpfen bereit ist. Im Vergleich der Führungsteams bietet das Team Borjans / Esken eher die Möglichkeit, ureigene sozialdemokratische Werte zur Geltung kommen zu lassen. Dabei ist eine Spannung in dem Verhältnis von „blauem Borjans“ zu „grüner Esken“ angelegt, das nur dann von Erfolg gekrönt sein kann, wenn es offensiv in die Partei hinein kommuniziert wird.

Das Quadrantenbild

Ein wesentlicher Aspekt im ganzheitlichen Verständnis einer integralen Theorie ist die gleichzeitige Entwicklung in allen Wirklichkeitsräumen, psychisch, kulturell, materiell und sozial. In ein Koordinatensystem gebracht können sie als oberer linker Quadrant (OL), unterer linker Quadrant (UL), oberer rechter Quadrant (OR) und unterer rechter Quadrant (UR) bezeichnet werden. Sie alle gemeinsam machen erst das Wesen einer Ganzheit (Holon) aus. Dabei liegen je nach Anforderung und Entwicklungsstand bezüglich des Holons unterschiedliche Anteile in den Quadranten vor. Für die hier beabsichtigten Zwecke ist lediglich ein Vergleich der beteiligten Personen beabsichtigt, der eine Aussage über anzustrebende Zustände in dem System entbehrlich macht.

Es ist schnell zu erkennen, dass die Unterschiede bei den KandidatInnen marginal sind. Sie sind lediglich Ungenauigkeiten, die durch Auf- und Abrundungen zustande gekommen sind. Im oberen linken Quadranten zeigt sich eine starke psychische Komponente, die mit dem starken Orange der Wertewelt in Übereinstimmung ist. Der kulturelle Aspekt der Partei kommt im unteren linken Quadranten zum Ausdruck. Der angegebene Wert 0 bedeutet, dass der Ausprägungsgrad im rechnerischen Mittel liegt. Die für die rechte Hälfte angegebenen negativen Werte liegen auf einem Niveau, wie es für Deutschland allgemein typisch ist, d. h. objektiv- rationale Sprache kommt im Internet relativ selten zum Ausdruck.

Veröffentlicht unter Aktuelles, Meinung, Politik, Politiker, Trends | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die CDU nach der Wahl in Thüringen 2019

Das Erscheinungsbild der CDU hat seit dem Wahlabend der Landtagswahl in Thüringen das Image der unverzichtbaren tragenden Säule des Staates verloren. Die Spin-Doctoren können gar nicht mehr soviel Firnis heran schaffen, damit das Bild nicht zerbröselt. Noch nach der Wahl in Sachsen schien die Welt der CDU in Ordnung zu sein. Der nächste Wahltermin stand bereits kurz bevor und die Parteiraison schien zu funktionieren. Immerhin scheint es ja auch noch einmal mit der SPD zu klappen, eine neue Landesregierung ohne AfD zu bilden. Damit hätte die Partei zur Tagesordnung der anderen Groko – der in Berlin – übergehen können. Und jetzt das! Von der 2009 noch führenden politischen Kraft in Thüringen ist die CDU nun auf den dritten Platz hinter Die Linke und AfD zurückgefallen. Dahin zurückgefallen zu sein kommt einer Zerstörung des Milieus gleich, in dem sich die CDU seit der Gründung der Bundesrepublik (und auch als Ost-CDU seit dem Beginn der DDR) bewegte und doch nicht bewegte. Letzteres fällt ihr jetzt auf die Füße. Da hilft kein DDR-Ostalgie-Gejammer und auch kein Abwiegeln der braunen Gefahr – die CDU steht immer in der Mitverantwortung! Das ist das Schicksal einer staatstragenden Partei – egal ob im Osten oder im Westen.

Der Weg der CDU in die Bedeutungslosigkeit war schon lange vorgezeichnet, zunächst war es der Wirkungsverlust des „C“ im Parteinamen, der schließlich auch zum Verlust der Wahlempfehlungen von den bundesdeutschen Kanzeln  führte, nun musste man die alten Menschen verstärkt mit Wahlgeschenken bedienen und verstärkt zu den Wahlurnen fahren, dann verlor man mehr und mehr den Kontakt zu großstädtischen Milieus und schließlich verlor die Partei auch traditionelle Wählerschichten des Bürgertums, die von der Kälte der Macht und zahlreichen Parteiskandalen abgeschreckt wurden. Eine Rettung in höchster Not brachte 1989 / 90 die deutsche Wiedervereinigung und hielt Kanzler Kohl an der Macht. Doch der innerparteiliche Zerfallsprozess war damit nicht beendet. Bei der Bundestagswahl im September 1998 kam es zum Verlust der Regierungsmehrheit und zur Bildung der ersten rot-grünen Regierung. Im Jahre 2005 löste sich das von Kanzler Schröder geführte Bündnis aus SPD und Grünen auf und nach daraufhin vorgezogenen Neuwahlen wurde die erste große Koalition aus SPD und CDU unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel gebildet. In der öffentlichen Darstellung ihrer Regierung waren deutliche Ambitionen im Umwelt- und Sozialbereich erkennbar. In den Medien wurde häufig von der „grünen“ Kanzlerin gesprochen.

Es setzte sich unter dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck der Deregulierung im Zuge der „Globalisierung“ bzw. Europäisierung der Wirtschaft eine Politik einsamer Entschlüsse durch, die eine Rückbindung an die Zivilgesellschaft vermissen ließ und auch für die Wirtschaft unkalkulierbare Investitionsrisiken brachte. Solche Entscheidungen waren der „Atomausstieg“ nach der Katastrophe von Fukushima und die Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Mittelmeerraum. Der Führungsstil der Kanzlerin ließ bei vielen ehemaligen DDR-Bürgern den Eindruck entstehen, mit die Demokratie im Westen sei es wohl auch nicht so gut bestellt und es wurden Vergleiche mit dem Leben in der ehemaligen DDR gezogen, die das Unrecht des DDR-Regimes abstrahierten und für den „normalen“ Bürger nicht als so belastend erscheinen ließen, wie es von Westpolitikern dargestellt wurde.

Die heutige Situation der CDU ist auch auf ihren Umgang mit den Realitäten der DDR-Bürger in ihrem alten System zurückzuführen. Eine häufig gehörte Äußerung dieser Bürger geht etwa so: „Hätten wir auch ins westliche Ausland reisen können, wären wir auch in der DDR zufrieden gewesen.“ An dieser Verweigerung des DDR-Systems sind viele der Vorwürfe gegen die DDR festgemacht – von der Inhaftierung von Republikflüchtigen und Tötung von Flüchtigen bis hin zu Berufsverboten für Fluchtversuche. Diese Zusammenhänge müssten – wie die Fehler der Treuhand – auch aus Sicht der alten Bundesrepublik kritisch hinterfragt werden. Die Vorgänge um die Geschäfte mit dem DDR-Politiker Schalck-Golodkowski haben eher Skepsis am Aufklärungswillen der Bundesregierung aufkommen lassen, als das eine Bereitschaft zur unvoreingenommenen Aufklärung erkennbar gewesen wäre.

Nachfolgend werde ich nach diesem Überblick über die Rolle der CDU bzw. ihrer Kanzlerin einen Versuch unternehmen, jenseits der geschraubten Erklärungsversuche von diversen Politikwissenschaftlern, greifbare Erklärungsansätze für den Niedergang der CDU zu finden.

In der Grafik sind die Wertewelten der CDU allgemein sowie im Bezug auf Thüringen für die CDU und die AfD dargestellt. Die Daten wurde für den Zeitraum ab Juli 2019 erhoben. Es wird deutlich, dass die Motive der politisch Handelnden an die Personen in den Führungspositionen der Parteien gebunden sind. Die personellen Veränderungen in der Parteiführung der CDU bezüglich Vorsitz und Generalsekretär sowie die Neubesetzung der Regierungsposition der Verteidigungsministerin haben auch auf der Bundesebene zu einer Personalisierung geführt, die alle anderen politischen Aspekte aus den WMem-Bereichen Blau und Grün auf „Erinnerungsniveau“ zurückgesetzt haben. Zum Vergleich sind die Werte aus dem Jahr 2017 in der nachfolgenden Grafik dargestellt.

Die Wertewelten von AfD und CDU im Vergleich

Das vorstehende Bild der Wertesysteme stützt den Eindruck, dass die Rolle als Regierungspartei nicht mehr in vollem Umfang wahrgenommen wird. Damit räumt die Partei  Positionen, die von der AfD und anderen rechtsextremistischen Parteien schnell besetzt werden können, zumal die staatlichen Apparate bereits personell mit rechtsextremen Aktivitäten in Erscheinung treten und ein erhebliches Potential für eine Verbreiterung der personellen Basis darstellen.

In der folgenden Grafik wird das Erscheinungsbild der CDU in der Beziehung zur Presse dargestellt. Hierzu wurden die in der Datenbank Genios erfassten Presseveröffentlichungen des vergangenen halben Jahres ausgewertet.

Hier wird ein gravierender Unterschied zwischen der im Internet repräsentierten Öffentlichkeit und der durch die Printmedien erzeugten Wertewelt sichtbar. An die Stelle des führenden WMems Orange ist auf der unspezifischen Ebene der CDU das Wertemem Grün getreten, Gleichzeitig stellt sich die Partei im Bezug auf Thüringen unter starkem Einfluss von Orange dar. Die Struktur der CDU ähnelt hierbei sehr stark der AfD, die einen etwas größeren Anteil von Orange aufweist und ein etwas stärkeres Gewicht von Blau gegenüber Grün zeigt.

Ob sich in dem obigen Bild eine bewusste Strategie der CDU – im Sinne einer „Gemeinsamkeit der Demokraten“ – und ihr verbundener Zeitungen – handelt oder die anhaltenden Wirkungen der „Zerstörung der CDU“ durch das Rezo-Video, kann nicht unterschieden werden. Jedenfalls stellt sich die Wertewelt der CDU global als sozial und ökologisch dar, wie es die SPD und die Grünen nicht deutlicher könnten. Die Wirkung könnte eine Art Mimikry sein, die einerseits die Kanzlerin als Zielscheibe rechter Angriffe aus dem „Spiel“ hält und andererseits sozialdemokratische und grüne Wähler auf sich zieht. In jedem Fall – auch wenn es sich um die Wirkung des Rezo- Videos handelt, oder beides zutrifft – ist damit das grüne Erscheinungsbild erklärbar. In jedem Fall ist die CDU für das lähmende Ergebnis der Wahl in Thüringen in erheblichem Umfang mitverantwortlich. In der gegebenen Situation ist es durchaus konsequent, dass der Spitzenkandidat der CDU in Thüringen seinen Anteil an der Verantwortung trägt und aktiv an der Lösung des Problems durch Gespräche mit der Partei „Die Linke“ mitwirkt.

 

Veröffentlicht unter Aktuelles, Meinung, Politik, Politiker | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mensch, Zeit und Mythos – Eine Positionsbestimmung (I)

Zeit – ein fundamentales und vielfältiges Phänomen

Die seit einigen Jahrzehnten erkennbare Zuspitzung der Naturzerstörung durch den Menschen hat sich nun in Gestalt eines Generationenkonflikts auf der politischen Ebene ein Podium geschaffen. Wie die anhaltende Verknappung des Lebensraums zukünftiger Generationen hat sich bereits seit den 1990er Jahren die Sorge um die soziale Sicherung der zukünftigen Generationen im Alter zu einem neuen Begriff geführt, der die Altersversorgung der Zukunft unter dem Schlagwort der „Generationengerechtigkeit“ in die politische Diskussion eingeführt  hat und dieses Thema damit auf die politische Agenda gesetzt hat. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die bereits in ihren Auswirkungen erkennbare Klimakatastrophe unter diesen Begriff einzugliedern ist, ohne der Relativierung durch den Faktor Rest-Lebenszeit zu erliegen und damit an politischem Gewicht zu verlieren. Dieses Argument gilt zwar auch im Bezug auf die Altersversorgung, es stellt sich jedoch im Hinblick auf den totalitären Charakter der drohenden Klimakatastrophen nicht mehr als Frage staatlicher Politik dar, sondern als Menschheitsproblem mit dem Gewicht der Menschenrechte – auf Leben und körperliche Unversehrtheit, auf Freiheit und Eigentum, auf Reise- und Informationsfreiheit und auf Selbstbestimmung, um nur einige zu nennen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geschichte, Meinung, Trends | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar