Nach der Wahl ist vor der Wahl? – Eine Hilfestellung zur Interpretation des Wählerwillens.

Nun ist die mit Spannung erwartete Bundestagswahl, die aus der SPD-Perspektive als Befreiung aus dem „Gefängnis“ der GroKo unübersehbar herbeigesehnt wurde, geschehen. Nach dem spontanen Freudentaumel in der Wahlnacht hat sich schon wenige Tage später Unbehagen über das nun entstandene parteipolitische Gesamtbild – nicht nur bei der SPD – breitgemacht. Mehr und mehr schält sich in den Diskussionsrunden der medialen Spindoktoren heraus, dass eine Befreiung anders aussieht. Nach dem derzeitigen Stand der öffentlich geführten Diskussionen drängen sich als realistischste Möglichkeiten für die Bildung einer neuen Bundesregierung zwei Dreier-Koalitionen an: Die von der CDU – auch, oder vor allem, zur Kaschierung ihres Wahldebakels und zur politischen Rettung ihres Parteivorsitzenden Armin Laschet – angestrebte „Jamaika-Koalition“ mit CDU, GRÜNE und FDP oder die von SPD und GRÜNE angestrebte „Ampel-Koalition“ mit SPD, GRÜNE und FDP. In beiden Varianten kommt GRÜNEN und FDP als Duo die Rolle als „Königsmacher“ zu. Mit diesem Begriff ist angedeutet, worum es bei der Koalitionsbildung geht: Es geht nur vordergründig um Inhalte – die immer wieder von den verhandelnden Parteien in die Pflicht gerufen werden – , letztlich geht es jedoch um die Neuverteilung der Macht im Staat. Als Beleg hierfür weise ich darauf hin, dass von den in der ablaufenden Legislaturperiode vom Bundestag verabschiedeten 547 Gesetzen lediglich 97 Gesetze auf die Initiative des Parlaments zurückgingen. Darüber hinaus wird die Arbeit der Bundesregierung und des – meistens im Nachhinein beteiligten Parlaments – in hohem Maße durch unvorhersehbare internationale Entwicklungen und dringliche Sofortmaßnahmen bestimmt. Weiterlesen

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Bundestagswahlkampf in Zeiten der Katastrophen

Am 14.08.2002 betitelte der Südwest-Rundfunk eine Reportage: „Hochwasser-Wahlkampf: Kanzler Schröder gummistiefelt durch Grimma“. Die Pegel der Elbe und ihrer Nebenflüsse waren in Sachsen so hoch gestiegen wie nie zuvor und die Bundestagswahl sollte am 22. September stattfinden. Schröder als Amtsinhaber und Kandidat zur Wiederwahl sah sich seinem Herausforderer Stoiber (CSU) gegenüber, der ebenfalls Hochwasserbetroffene besuchte, jedoch in Bayern, seiner Heimat, in der er zu jener Zeit Ministerpräsident war. Diese Episode wird von vielen Beobachtern politischer Begebenheiten als Schlüsselereignis gesehen, das Schröder aufgrund seines geschickten Verhaltens im sächsischen Grimma trotz schlechter Prognosen die Wiederwahl brachte.

Auch die Flutkatastrophe vom 16. Februar 1962 wird immer wieder als Beleg für die Bewährung von Spitzenpolitikern herangezogen. Auch an diesem Tag war es ein SPD-Politiker – der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt – , der zu dieser Zeit in seiner Heimatstadt Hamburg zuständige Senator für die Polizei, der die Rettungsmaßnahmen koordinierte. Im Online-Geschichtsbuch der Hansestadt heißt es dazu: “Schmidt mobilisierte neben bis zu 25.000 zivilen Helfern der Feuerwehr, der Polizei, des Deutschen Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerks und anderer auf eigene Initiative und in einer rechtlichen Grauzone auch 14.000 Soldaten der Bundeswehr sowie NATO-Truppen.

Wie weit sind unsere heutigen Spitzenpolitiker von solchen beherzten Entscheidungen entfernt? Die akute Notsituation zigtausender Menschen lässt wenig Zeit für die Überlegungen im Dienst der eigenen Karriere. Deshalb kommt man besser erst dann mit großem Tross und vielen Journalisten an die Stätten des tausendfachen Leids und ungeahnter Verwüstungen, wenn nichts mehr zu retten ist. Das Auftreten des CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet mit seinem im Bild festgehaltenen Lachen am Ort der Katastrophe in Erftstadt ist ein aktuelles Beispiel für die Gefühlsverirrungen, die den Politikbetrieb kennzeichnen. Sein Lachen angesichts der Flutkatastrophe weckte bei mir Assoziationen zum Auftritt des ertappten Lausbuben, dem zu seiner Entschuldigung nichts anderes einfällt, als aus Verlegenheit zu Grinsen. Solches Lachen ist erfahrungsgemäß geeignet, das Gegenüber in Rage zu versetzen und so kam es dann auch. Ob sich daraus jedoch politische Konsequenzen ergeben, entscheiden – wie damals – die Wähler. Einen Blick voraus zu wagen unternimmt dieser Beitrag, indem er Tendenzen in den Werthaltungen der Menschen aufzeigt. Weiterlesen

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Parteien entschleiert – Ein besonderer Blick auf das Parteienspektrum im Spiegel der Wählerpotentiale

Ein berühmt gewordener Ausspruch Oskar Lafontaines im Zusammenhang mit der Rüstungsdebatte am Anfang der 1980er Jahre hat in diesen Tagen mit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten in Europa neue Aktualität gewonnen. Auf die damalige Forderung des amtierenden Bundeskanzlers nach Bündnistreue im Bezug auf die von den USA geplante Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik äußerte er in einem Zeitschrifteninterview: „Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. […] Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.“ Damit hatte er eine neue Wertekategorie eingeführt, die aus den deutschen Wertetraditionen des Bürgertums stammten und solche Werte wie Fleiß, Treue, Gehorsam, Disziplin, Pflicht­bewusstsein, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnungsliebe, Höflichkeit, Sauberkeit umfasst und diese gegenüber postmaterialistischen Werten wie Menschlichkeit, Kreativität, Selbstverwirklichung und soziale Werte wie Solidarität in die Nachrangigkeit verweist.

Die anlässlich der Nominierung von Annalena Baerbock durch die Mainstream-Medien abgegebenen Stellungnahmen zu ihren Verfehlungen – der vergessenen Meldung ihrer Einkünfte aus Parteiarbeit an die Bundestagsverwaltung und die unpräzisen Angaben zu ihren  zahlreichen Verbindungen zu Vereinen, Verbänden u. ä. – zeigt, dass sich an dem politischen Niveau der veröffentlichten Meinungen in Deutschland seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts entscheidendes nicht verändert hat. Es besteht allerdings die Aussicht, dass sich nicht nur das Verhältnis der Wählerinnen und Wähler zu den tonangebenden Parteien verändert, sondern auch die Haltung zu den Medien und hassgeleiteten Internetportalen.

In diesem Sinne stelle ich in diesem Beitrag ein Bild der Verhältnisse zwischen Wahlvolk und Parteien her, das Einblicke in die seelisch-geistigen Zusammenhänge ermöglicht. Wie bereits in meinem letzten Beitrag im Bezug auf die Kanzlerkandidatin bzw. die Kanzlerkandidaten geschehen, werde ich die für Deutschland maßgebenden fünf Enneagramm-Typen in ihren Beziehungen zu den Quadranten der Integralen Theorie und der Wertememe der Spiral Dynamics für die im Bundestag vertretenen Parteien darstellen. Weiterlesen

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Laschet, Baerbock oder Scholz? – Attraktoren zur Bundestagswahl

 

Mit diesem Beitrag möchte ich die Möglichkeiten einer kombinierten – und dadurch differenzierten – Anwendung der Typenlehre des Enneagramms und der Instrumente der Integralen Theorie nach Ken Wilber auf die politische Situation vor der Bundestagswahl anwenden.

In Grafik 1 ist der Zeitschnitt für den Zeitraum der Pandemie ab September 2020 ergänzt worden. Hier ist eine deutliche Trendwende bei dem starken Typ 9 zu sehen. In Grafik 2 wird eine Übersicht der Enneagrammtypen im Bezug auf Deutschland als Ganzes und den Durchschnitt der drei Kanzlerkandidaten gegeben.

Grafik 1 liegen Abfragen in der Genios-Datenbank zu Grunde, die Grafiken 2 und 3 basieren auf der Blog-Suche im Internet.

In Grafik 3 sind die in Grafik 2 als Durchschnitt dargestellten Typen für die drei Kanzlerkandidaten getrennt dargestellt.

Im Vergleich der Grafiken 1 und 2 zeigt sich der Unterschied zwischen dem Bild, das sich aus Veröffentlichungen in Printmedien ergibt und dem Bild, das sich aus der Internetsuche in Blogs ergibt. Als größter Unterschied fällt hier der Unterschied bezüglich der Typen 2 und 7 auf. Typ 2 – der Helfertyp – kommt in dem „volksnäheren“ Ergebnis des Internets  zum Ausdruck und dominiert mit großem Abstand vor den anderen Typen – im Gesamtbild von Deutschland, wie auch bei allen drei Kanzlerkandidaten bzw. der -kandidatin in Grafik 3. Dagegen nimmt er in Grafik 1 nur einen mittleren Platz ein. Aus der Perspektive der Printmedien dominieren – nahezu gleich, jedoch in jeweils eigener Dynamik – die Typen 7 und 9. Der Enneagramm-Autor Riso bezeichnet sie als den Enthusiasten – eifrig, produktiv, spontan – und den Friedliebenden – gelassen, zurückhaltend, vertrauensvoll, konfliktvermeidend. Es handelt sich bei den Bildern der Medien – vor allem bei dem Typ 9 – offensichtlich um Idealisierungen, die dazu geeignet sind, das Bild des „hässlichen Deutschen“ in der Weltöffentlichkeit zu korrigieren. Das läuft jedoch in der Innenansicht der Deutschen ins Leere. Diese wird – nicht erst seit der „Flüchtlingskrise“ von der großen Bereitschaft bestimmt, Hilfe zu leisten. Diese Bilder könnten sich ergänzen, wenn die Typen 2 und 6 in der öffentlichen Darstellung mehr und positiver zur Geltung kämen. Dabei spielt der starke Einfluss des enthusiastischen und wetterwendischen Typus 7 eine zentrale Rolle, da er in ständiger Gefahr steht, zwischen humanistischen Idealen und hedonistischer Egomanie zu schwanken. Im Verlauf der Entwicklung dieses Typs ist vom Jahr 2000 bis in die Gegenwart eine beständige Zunahme zu sehen, die selbst durch die Pandemie nicht gestört wurde. Weiterlesen

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Lockdown in Deutschland – Gestrandet in der Pandemie-Krise

Altstadt von Dubrovnik (Kroatien)

Nach langer Flugabstinenz hatten meine Frau und ich uns im Sommer 2019 entschlossen, nun doch einmal eine etwas weitere Reise zu unternehmen. Wir hatten ein Jahr lang die Bahncard für Senioren genutzt und einige Städte- und Urlaubsreisen innerhalb Deutschlands unternommen und wollten nun nach den „Abenteuerreisen“ mit der Deutschen Bahn (die ergäben eine besondere Geschichte, die ich jedoch hier nicht erzählen will!) in der Obhut eines Reiseveranstalters eine Rundreise durch Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro buchen. Wir wählten als Reisetermin den März 2020 und hatten bis dahin noch 9 Monate Zeit, in denen wir die Restlaufzeit unserer Bahncard für einige Bahnfahrten nutzen konnten. Weiterlesen

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Für ein gelungenes Leben – Kunst und Spiritualität

In dem von Ken Wilber als „Integrale Theorie“ bezeichneten Modell zur Beschreibung der Wirklichkeit und zur globalen Orientierung des Menschen stellt sich die Frage nach gangbaren Wegen für Individuen zur Harmonisierung mit dem kosmischen Ganzen. Die Suche nach solchen Wegen und die Versuche zu ihrer Beschreitung sind eng verbunden mit spirituellen Lehren und Praktiken, die in die mehr oder weniger strengen Rahmen von Religionen und heilenden Riten mündeten. Sie reichen zurück bis in die Zeit der Höhlenmenschen, die uns die zahlreichen Malereien aus der Zeit von ca. 40 Tsd. – 10 Tsd. Jahren v. Chr. in Frankreich und Spanien hinterließen.

Malerei in der Höhle von Lascaux (Frankreich)

Ihre Spuren sind noch heute bei indigenen Völkern zu finden und sind Ausdruck eines Evolutionssprunges, der mit dem Auftauchen des Wertemems Purpur verbunden ist. Unbestritten sind diese Bilder als die ersten bekannten Kunstwerke anzusehen, deren Interpretation jedoch in verschiedene Richtungen geht. Diese reichen von Informations– und Planungszwecken bis zum Nachweis religiöser Ideen. Letztere waren in der unter Fachleuten geführten Diskussion über Jahrzehnte umstritten. Heute heißt es in der offiziellen Präsentation der Höhle von Lascaux (https://archeologie.culture.fr/lascaux/de/interpretationen) zusammenfassend: „Diese ausgedehnten gemalten oder gravierten Kompositionen scheinen die Zeugnisse eines spirituellen Denkens zu sein, dessen Symbolik auf einer Interpretation der Entstehung der Welt basiert. Vom Eingang bis zu den hinteren Teilen der Höhle entfaltet sich vor unseren Augen das grosse Buch der ersten Mythologien mit dem zentralen Thema der Erschaffung der Welt.

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